Kalkulation

Was bedeutet Kalkulation im Krankenhaus vor dem Hintergrund des neuen Entgeltes?

 

Bei der Kalkulation geht es darum, einen Unterschied heraus zu finden, der einen Unterschied macht.  Was unterscheidet die Patienten und ihre Krankheitsverläufe.  Zu diesem Zweck sammelt das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) seit 2009 Daten. Die erste Kalkulation (Prätest) war noch auf recht kleiner Datenbasis, 17 Krankenhäusern in Deutschland lieferten Daten an das Institut. Diese Kalkulation sollte die technische Umsetzbarkeit prüfen. Inzwischen sind zahlreiche Krankenhäuser hinzugekommen, die sowohl Leistungs- als auch Kostendaten an das InEK liefern.

 

Folgende Daten werden übermittelt:

 

1. Datensatz § 21 (Gesetz über die Entgelte für voll- und teilstationäre Krankenhausleistungen (Krankenhausentgeltgesetz – KHEntgG)

Zu diesem Datensatz gehören folgende Informationen:

  • Geschlecht
  • Alter
  • Behandlungsart (vollstationär/teilstationär)
  • Urlaubstage
  • Fachabteilung (Psychiatrie, Psychosomatik, Kinder- und Jugendpsychiatrie)
  • Aufnahmedatum
  • Entlassungsdatum
  • Hauptdiagnose
  • Nebendiagnose
  • Prozeduren

 

Darüber Hinaus werden ebenfalls übermittelt

 

2.   Psyche PV (Daten aus der Psychiatrie Personalverordnung)

3.   Betreuungsaufwand

und die

4.   Kostendaten

Die Erhebung der Kostendaten ist in dem Kalkulationshandbuch des InEK hinterlegt und ist sehr umfangreich:

Hier wollen wir nur die ganz wesentlichen Grundlagen der Kalkulation erörtern.

  • Es werden die IST Kosten berechnet, die mit der Behandlung des Patienten in Beziehung stehen. Kostenträger ist ein Behandlungstag eines Behandlungsfalls.
  • Es sollen möglichst viele Kosten den Kostenträgern zu geordnet werden (Behandlungen, Diagnostik, Therapien, Pflege, Sachkosten, Arzneimittel usw.).
  • Einzelkosten und Gemeinkosten werden getrennt übermittelt.
  • Es werden relevante von nicht relevanten Daten unterschieden.

Diese Tabelle zeigt relevante und nicht relevante Leistungen:

Quelle: Handbuch zur Klakulation psychiatrischer und psychosomatischer Leistungen in Einrichtungen gem. §17d KHG/Version 1.0 16. Nov. 2010

  • Kosten der internen Leistungsverrechnung und Gemeinkosten werden nach einem Bewertungsschlüssel auf die realen Kostenstellen verteilt und den Kostenträgern zugeordnet.
  • Teure Sachgüter werden dem entsprechenden Kostenträger zugewiesen.
  • Gewinne und Verluste werden an das InEK übermittelt.
  • Es gilt immer ein Datenjahr (Leistungen und Kosten aus einem Jahr).

Daraus ergibt sich ein Kostenmatrix:

Quelle: Handbuch zur Kalkulation psychiatrischer und psychosomatischer Leistungen in Einrichtungen gem. §17d KHG/Version 1.0 16. Nov. 2010

Zusammenfassend können wir sagen, es werden Leistungsdaten und relevante  Kostenarten erhoben und möglichst einem Behandlungstag und einem Behandlungsfall  zugeordnet. Die Daten der Internen Leistungsverrechnung (ILV) und Gemeinkosten werden nach einem Bewertungsschlüssel verteilt und einem Behandlungstag/Fall zugeordnet. Auf diese Weise entstehen Kostenprofile für Patientengruppen mit bestimmten Merkmalen, die sich voneinander unterscheiden, die PEPPs.

 

Für die Kliniken ist das eine große Herausforderung. Sie müssen ihre System entsprechend der Anforderung umgestalten. Darüber hinaus muss eine vollständige Leistungserfassung aufgebaut werden. Neben den Mitarbeiterressourcen auf Station, Verwaltung und IT,  benötigt die Mitarbeit an der Kalkulation ein entsprechendes Krankenhaus Information System (KIS) und einen entsprechenden klinischen Arbeitsplatz in der Software.

 

Die Daten ermöglichen auch einen Basisentgeltwert zu ermitteln. Dieser wird zwar zu Beginn kostenneutral auf Krankenhausbasis ermittelt (2015 bis 2017), später auf Landesebene (ab 2018 mit Beginn der Konvergenz), es gibt aber erst einmal einen Orientierungswert. Der zurzeit angenommene Basisfallwert liegt bei 235,- €. Die Tagessätze in Deutschland sind sehr unterschiedlich und liegen zwischen 90,- und 385,- €. Die Unterschiede in den Bundesländer sind ganz erheblich, insofern ist es vielleicht nicht ganz so redlich, den Wert anzunehmen. Es gibt aber wohl kaum ein Krankenhauscontrolling, das der Versuchung widerstehen kann, mit dem Wert Szenarien durchzuspielen.